
Der Fischerverein Hachinger Grund wechselt sich am Taufkirchner Autobahnweiher durchgehend ab – auch nachts. Allein in den vergangenen vier bis fünf Wochen hat er rund ein halbes Dutzend Wilderer vertrieben.
Taufkirchen – Hört sich erst mal fast romantisch an: Mit selbst gebastelter Angel ein wenig am Taufkirchner Autobahnweiher sitzen; dabei in das auf dem Wasser gespiegelte Blaugrün des Himmels über den Bäumen schauen; dann, nach einer Weile, einen Fisch aus jenem Wasser herausziehen und später ein selbst gefischtes Abendmahl genießen. Ist aber Schwarzfischen und gar nicht romantisch, sondern ein Vergehen, und dazu noch Tierquälerei.

Schwarzfischen ist Tierquälerei
Alexander Weilhartner, Vorsitzender des Fischervereins Hachinger Grund, erklärt das so: Immer wieder gelinge es mit den provisorischen Angeln nicht, die Fische auch an Land zu ziehen. Die Tiere verelenden dann oftmals mit vom Haken hervorgerufenen Geschwüren am Maul im Weiher. Aber auch, wenn das Schwarzfischen gelingt, sterben die Tiere qualvoll. Denn während Fischervereine die Beute „nach Tierschutzgesetz“ töten, per Betäubung und Messer, führen Wilderer meist weder dieses noch jenes mit sich und die geangelten Fische ersticken an Land jämmerlich. Ein Messer mit sich zu führen, hätte nämlich schwere strafrechtliche Konsequenzen zur Folge:
Fischerverein gepachtetes Privatgewässer
Denn der Weiher ist ein vom Fischerverein gepachtetes Privatgewässer, und deshalb verhalte es sich rechtlich so wie mit dem Ladendiebstahl, erklärt Weilhartner: Wenn man einfach so einen Fisch angle, gelte das als „einfacher Diebstahl“. Wenn man aber ein Messer dabei habe, dann gelte es als „Diebstahl mit Waffe“. Für den kann schon mal eine Freiheitsstrafe fällig werden.
Wachtdienst im Schichtbetrieb
Für die Wilderer wird es am Autobahnweiher zunehmend ungemütlich: Mittlerweile sei eigentlich „durchgehend jemand am See“, sagt Weilhartner, auch in der Nacht. Die Vereinsmitglieder würden sich „im Schichtbetrieb“ abwechseln. Zudem kontrolliere die Unterhachinger Polizei regelmäßig.
Verein zeigt Schwarzfischer konsequent an
Wenn der Fischerverein Schwarzfischer erwischt, bringt er dies konsequent zur Anzeige. Als vom Landratsamt offiziell eingesetzter Aufseher des Gewässers hat Weilhartner sogar das Recht Personalien aufzunehmen. Oft kommt es aber gar nicht so weit, denn mittlerweile ist der pensionierte Leiter eines Rewe-Markts bei vielen Schwarzfischern schon bekannt. Meist kundschaften sie die Lage etwas aus und suchen, beispielsweise mit dem Rad, das Weite, sobald sie den 61-Jährigen erblicken. Bei seinen Vereinskollegen sei das aber noch nicht der Fall.
Heuer schon zwei Täter der Polizei übergeben
Alleine in den vergangenen vier bis fünf Wochen habe man rund ein halbes Dutzend Wilderer vertrieben. „Zwei haben wir dieses Jahr schon der Polizei übergeben.“ Trotz der hohen Zahlen sei es heuer, dank der „permanenten Kontrollen des Vereins und der Polizei“, etwas besser geworden mit dem Schwarzfischen.
Auch schon Gans brutal getötet
Fische sind übrigens nicht die einzigen Tiere, die am Taufkirchner Weiher schon mal brutal geschlachtet wurden: Alexander Weilhartner zeigt ein Bild von einer Gans mit gebrochenem Genick und herausgeschnittenem Brustfleisch. Da Enten und Gänse, trotz Verbots, oftmals von Badegästen gefüttert würden, seien diese sehr zutraulich geworden. Und deshalb ein leichtes Opfer für einen Vorfall wie diesen, vermutet er.
Der Vereinsvorsitzende und Aufseher betont aber, dass sich die allermeisten an die geltenden Regeln halten würden. Er wünscht sich, dass die wenigen, die das nicht tun, künftig auch „Rücksicht auf Natur und Tiere nehmen“.

